Kaufen oder mieten in Wien: Entscheidungshilfe, Finanzierung und Mietrechts-Update
In unserem letzten Beitrag haben wir gezeigt, warum sich der Wiener Immobilienmarkt nach den turbulenten Jahren stabilisiert hat und weshalb 2026 von vielen Marktbeobachter:innen als Phase der Normalisierung gesehen wird.
Heute widmen wir uns der Praxisfrage, die wir in unserer täglichen Beratung am häufigsten hören: Kaufen oder mieten?
Und ebenso wichtig: Welche neuen mietrechtlichen Regelungen sowie Finanzierungs- und Sanierungsrahmenbedingungen sollten Sie kennen, bevor Sie eine Entscheidung treffen?
Wenn Sie nur eine zentrale Erkenntnis aus diesem Artikel mitnehmen: Der Markt ist nicht mehr „one size fits all“. Zwei Wohnungen im selben Bezirk können sich 2026 deutlich unterscheiden – abhängig von Finanzierbarkeit, Energieeffizienz und den rechtlichen Rahmenbedingungen (z. B. Mietvertrag, Wertsicherung), die auf Ihre individuelle Situation zutreffen.
Warum die Frage „Kaufen oder mieten?“ gerade jetzt besonders relevant ist
Aktuell treffen drei Entwicklungen aufeinander:
Erstens: Die Finanzierung ist wieder planbarer als während der stärksten Zinsschock-Phase. Ein zentralbanknaher Indikator zeigte für Wohnbau-Neugeschäfte Ende 2025 Werte um 3,4 %. Das ist keine individuelle Bankkondition, aber ein realistischer Orientierungsrahmen, der zeigt, dass Kreditentscheidungen wieder häufiger möglich werden.
Zweitens: Immobilienpreise und Inflation entwickeln sich nicht parallel. Für Wien verzeichnete der Wohnimmobilienpreisindex 2025 im Gesamtsegment wieder nominale Zuwächse, während die durchschnittliche Jahresinflation höher lag. Das erklärt, warum Qualitätsimmobilien stabil bleiben oder an Wert gewinnen können, während bei Objekten mit Sanierungsbedarf weiterhin Verhandlungsspielräume bestehen.
Drittens: Das Angebot bleibt strukturell knapp. Offizielle Fertigstellungszahlen zeigen österreichweit einen deutlichen Rückgang neuer Wohneinheiten. Research-Ausblicke prognostizieren auch für Wien weiterhin niedrige Neubau-Fertigstellungen. Diese strukturelle Knappheit wirkt langfristig als Druckfaktor auf Miet- und Kaufentscheidungen.
Kaufen: Die drei Checks, die 2026 wirklich entscheidend sind
Kaufen ist nicht nur eine Preisfrage – sondern vor allem eine Risikofrage. Drei Prüfungen helfen, Fehlentscheidungen zu vermeiden:
1. Finanzierungs-Check (realistisch statt optimistisch)
Viele Kaufinteressent:innen orientieren sich noch an früheren Kreditvergaberegeln. Wichtig zu wissen: Die verbindliche KIM-V-Regelung ist mit 30. Juni 2025 ausgelaufen. Gleichzeitig hat die Aufsicht klargestellt, dass weiterhin solide Vergabestandards erwartet werden – nun jedoch mit mehr Flexibilität im Rahmen eines Empfehlungssystems.
In der Praxis bedeutet das: Banken prüfen Eigenmittel, Leistbarkeit und Laufzeit weiterhin sehr genau.
2. Energie-Check (Wertstabilität und laufende Kosten)
Beim Kauf – ebenso wie bei der Vermietung – ist ein Energieausweis gesetzlich vorgeschrieben. Relevante Kennzahlen müssen im Inserat angeführt und bei Verkauf oder Bestandgabe übergeben werden.
Idealerweise verstehen Sie den Energieausweis nicht nur als Pflichtdokument, sondern als strategisches Instrument:
Wie hoch ist der Heizwärmebedarf? Welche Effizienzkennzahlen liegen vor? Und was bedeutet das für Betriebskosten und langfristige Wertentwicklung?
3. Sanierungs- und Förder-Check (was ist realistisch finanzierbar?)
Aktualität ist 2026 besonders entscheidend. Der Bundes-Sanierungsbonus wurde für neue Registrierungen und Anträge mit 2. Februar 2026 geschlossen. Laut Programmkommunikation sind neue Schritte im Regelfall nur noch im Bereich „Kesseltausch“ möglich.
Wer eine thermische Sanierung plant, sollte daher genau prüfen, welche bundesweiten und landesweiten Förderinstrumente tatsächlich noch verfügbar sind.
Parallel dazu bestehen weiterhin Wiener Förderprogramme für thermisch-energetische Sanierungen – mit klar definierten Förderlogiken und Obergrenzen. Für Eigentümer:innen lohnt es sich häufig, Sanierungen strategisch zu planen (Energieeffizienz, Komfort, Werterhalt) statt rein kosmetisch zu renovieren.
Mieten: Was sich seit Jahresbeginn geändert hat – und warum das auch Investor:innen betrifft
Mieter:innen achten verständlicherweise auf die monatliche Belastung. 2026 ist jedoch ebenso entscheidend, wie Mieten valorisiert werden dürfen.
Seit 1. Januar 2026 gelten neue Regelungen zur Wertsicherung. Es existiert nun ein einheitliches Berechnungsmodell, und Mietzinsanpassungen aus Wertsicherungsklauseln sind grundsätzlich nur noch einmal jährlich zu einem fixen Stichtag zulässig. Zusätzlich ist die Höhe der Anpassung gesetzlich gedeckelt. Im streng regulierten Bereich gelten für die kommenden Jahre besonders niedrige Höchstwerte. Diese Änderungen betreffen in weiten Teilen auch bestehende Mietverträge.
Für Mieter:innen bedeutet das: mehr Planbarkeit und weniger unerwartete Indexanpassungen.
Für Vermieter:innen und Investor:innen bedeutet es: stärker regulierte Cashflows. Bei der Bewertung einer Anlageimmobilie wird daher noch wichtiger, welcher Mietzinsbereich vorliegt und welche Valorisierung realistisch zulässig ist.
Wien-spezifisch: Energieplanung wird zur strategischen Immobilienfrage
Wien verfolgt das Ziel der Klimaneutralität bis 2040. In definierten Klimaschutzgebieten schreiben Energieraumpläne bei Neubauten erneuerbare Wärme oder Fernwärme vor; fossile Energieträger sind dort untersagt.
Für Kaufentscheidungen bedeutet das: Heizsystem, Anschlussfähigkeit und die mittelfristige Wärmeversorgung im jeweiligen Grätzl sind keine rein technischen Details mehr, sondern wesentliche Faktoren für langfristigen Werterhalt.
Auch Umstiegs- und Förderprogramme wie die Dekarbonisierungsprämie sind praxisrelevant – insbesondere bei der vollständigen Umstellung von Gasheizungen.
Fazit: Die beste Entscheidung ist jene, die zu Ihrem Zeithorizont passt
Kaufen kann sinnvoll sein, wenn Finanzierung, Energiequalität und Objektzustand stimmig sind – und wenn Ihr Zeithorizont realistisch ist.
Mieten kann die bessere Wahl sein, wenn Flexibilität, kalkulierbare Kosten und Ihre aktuelle Lebensphase im Vordergrund stehen.
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